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Tintenzeug

Hanauer Fayence, 17. Jahrhundert

Historisches Museum Hanau Schloss Philippsruhe / Hanauer Geschichtsverein 1844 e.V.

In Hanau wurde die erste Fayence-Manufaktur in Deutschland gegründet!

Die Keramik kam ursprünglich aus Persien nach Europa und wurde seit dem 15. Jh. in Spanien, Italien und Frankreich hergestellt („Maiolica“, „Faenza“, „Fayence“). Sie war eine Ersatzware für das chinesische Exportporzellan. Die Europäer konnten bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts kein Porzellan herstellen.

Daniel Behaghel und Jacobus van der Walle, niederländische Kaufleute, kamen aus Frankfurt nach Hanau und stellten 1661 das Gesuch an den Rat „eine Newe und diesser Landen bieshero ohnbekannte Porcelain-Backery ahnzurichten“. Das Privileg wurde ihnen wenige Tage später von Graf Friedrich Casimir von Hanau-Lichtenberg erteilt, der das Unternehmen nach Kräften förderte.

Ihren Sitz hatten die beiden Kreativen im Haus Römergasse / Glockengasse, in dem übrigens 1614 der Mediziner und Anatom Francois de le Boe / Franciscus Sylvius geboren wurde – er gilt als Erfinder des Gin (+ 1672 in Leiden).

Das Fayence-Privileg wurde immer wieder verlängert. Seit 1726 war es im Besitz der Familie van Alphen. In ihrer besten Zeit zwischen 1680 und 1715 hatte die Manufaktur über 40 Beschäftigte. Der letzte Besitzer, Jacob Achilles Leisler, ließ 1810 die Restbestände versteigern.

Es vergeht kaum eine nationale wie internationale Auktion, auf der kein Produkt der Hanauer Manufaktur angeboten wird: Fächer- und Buckelplatten, Schalen, Schreibzeuge, Tafelaufsätze, Dosen, Vasen, Terrinen, Henkel-, Birnen-, Walzen- und Enghalskrüge mit Wappen oder „Hanauer Vögelesdekor“ sind bei Sammler/innen sehr gefragt.

Eine Auswahl der exquisiten Hanauer Sammlung befindet sich im ehemaligen Speisezimmer in der Belétagevon Schloss Philippsruhe.

 

Hanauer FayenceFoto: Tintenzeug, Hanauer Fayence, 17. Jahrhundert
(© Historisches Museum Hanau Schloss Philippsruhe / Hanauer Geschichtsverein 1844 e.V.)