Papiertheatermuseum
Historisches Museum Hanau Schloss Philippsruhe
Dauerausstellung, DI–FR 10–17 Uhr, SA/SO 11–18 Uhr
Ein Museum im Museum: Seit 28. Januar 1990 ist das Papiertheatermuseum fester Bestandteil des Historischen Museums Hanau Schloss Philippsruhe. Im neugestalteten und 2026 wieder eröffneten Papiertheatermuseum lässt sich die faszinierende Welt der kleinen Bühnen interaktiv und analog entdecken; stimmungsvoll inszeniert in bezauberndem Theaterlicht.
Sechs Ausstellungsräume laden zu einem spannenden Rundgang ein. Besucherinnen und Besucher begeben sich auf eine Zeitreise von den Anfängen der Druckgrafik bis zum heutigen Papiertheater. In einem gesonderten Theaterraum in der Ausstellung informiert ein Kurzfilm über das Wie und Was des Papiertheaters. Denn wer hat denn schon selbst zu Hause mit einem solchen gespielt? Ist der „Fernseher“ vergangener Generationen nur eine nette Bastelarbeit, ein Kinderspielzeug oder warum ist das Papiertheaterspielen gar „Immaterielles Kulturerbe der UNESCO“?
Hintergründe zur Neukonzeption und zum Papiertheatermuseum hören Sie im Interview von Kuratorin Nina A. Schneider mit hr2-Kultur. Den Podcast vom 4. Februar 2026 finden Sie hier.
Was ist Papiertheater?
Das Papiertheater entstand etwa zeitgleich um 1820 in Großbritannien, Österreich und Deutschland; später folgten Frankreich, Spanien und Dänemark. Vereinzelt ist es in weiteren Ländern nachzuweisen. Neben zahlreichen Kleinverlagen kristallisierten sich in Österreich und Deutschland bald Verleger von Massenproduktionen heraus. Auch aus Italien, der damaligenTschechoslowakei und den USA sind Papiertheater bekannt, ohne jedoch ähnliche Popularität wie in den übrigen Ländern zu erreichen.
Das Repertoire der kleinen Bühnen spiegelte im 19. Jahrhundert das Aufführungsprogramm der großen Bühnen wider: klassische Schauspiele, berühmte Opern sowie Dramen, Tragödien, Romanzen und Komödien. Jedes europäische Land hatte seine Lieblingsstücke. Im Papiertheatermuseum werden eine Vielzahl an europäischen Bühnen präsentiert. Eines der ältesten gedruckten Theater ist das sogenannten „NEPTUNE THEATER“ von John Redington (1819–1876), London aus dem Jahr 1860.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts fand das Papiertheater seinen Einzug in die Kinderzimmer. Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm als didaktisches Mittel der bürgerlichen Erziehung schlugen sich in den Verlagsprogrammen nieder. Aus dem Theater von Erwachsenen für Erwachsene bzw. von Erwachsenen für Kinder wurde schließlich ein Kinderspielzeug, das auch Kinder- oder Puppentheater genannt wurde. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs druckten nur noch wenige europäische Verlage Bilderbögen mit Papiertheatermotiven. Einzig in Großbritannien und in Dänemark blieb die Verlags- und Spieltradition lebendig. Eine weitere Ausnahme bildet der spanische Verlag Seix y Barral (1911–1953) mit seinem „Teatro de los niños“ (Kindertheater). Die nächste Zäsur bildete der Zweite Weltkrieg. Von einem Neubeginn des Papiertheaters in Deutschland, gar einer „Papiertheater-Renaissance“, kann man ab den 1960er Jahren sprechen. Der Darmstädter Lehrer Walter Röhler (1911–1974) veröffentlichte 1963 sein Buch „Große Liebe zu kleinen Theatern“. Von Walter Röhler stammt die Bezeichnung „Papiertheater“.
Fast 4 Jahrzehnte Tradition: Papiertheatermuseum Hanau
In Hanau führte unter anderem diese „Liebe zu kleinen Theatern“ 1990 zur Gründung des ersten und einzigen Papiertheatermuseums auf deutschem Boden. 1992 folgte die Gründung des Vereins „Forum Papiertheater Schloss Philippsruhe e.V.“, welcher das Museum betreute und bis heute tatkräftig unterstützt. Die ehrenamtlich tätigen Mitglieder organisierten Papiertheateraufführungen und kuratierten die wechselnden Ausstellungen. Hier sind vor allem der Kunstpädagoge, Papiertheaterspieler und -sammler Helmut Wurz (*1944), der Rechtsanwalt und Papiertheatersammler Dietger Dröse (1939–2021) und der Papiertheaterspieler und -sammler Rüdiger Koch (1967–2023) zu nennen. Der Verein ist deutschlandweit aktiv.
Der Verein Forum Papiertheater e.V. lädt digital ein, sich über die Neuigkeiten aus dem Vereins- und Papiertheaterleben zu informieren. Die aktuellen Downloads finden sich hier.
Papiertheateraufführungen
Regelmäßig bieten wir Gastspiele mit Papiertheateraufführungen an. Die Termine finden Sie in unserem Veranstaltungskalender.
Urkundenverleihung Immaterielles Kulturerbe
... an die Vertreter des Vereins Forum e.V.
Fotos: © Deutsche UNESCO-Kommission – Bettina Engel-Albustin















