Ausstellung im Dachgeschoss von Schloss Philippsruhe
Die Idee, Männer und ihre Tiere zu fotografieren, hatte die Fotografin lange mit sich herum getragen. Verdichtet hat sie sich 2005 bei der Arbeit an ihrem ersten Bildband „Hundeaugenblicke“. Für diesen hatte sie Hunde fotografiert und dabei eher am Rand eine Beobachtung gemacht: Kamen die Tiere in Begleitung von Paaren, wurden die Frauen von ihren Männern oft überhaupt nicht beachtet. In einem Fall wurde mit dem Hund liebevoll geschmust und gespielt, während die Frau in der Ecke regelrecht „abgelegt“ wurde. Dieser „Spur“ ist sie gefolgt und hat sie fotografiert: Männer und ihre Tiere.
Vor ihrer Kamera schmusen sie mit Katze, Elefant und Hengst; spielen mit dem Hund, gehen mit dem Papagei ins Bett und heulen mit den Wölfen. Lieben, füttern und beschützen, ohne sich um irgendwelche Rollenbilder oder ihren sozialen Status zu scheren. Männer mit einem Tier im Arm sind entspannt und im besten Sinn hemmungslos. Ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, ob sie am Morgen das richtige Deo verwendet haben oder die angesagte Jeans tragen, gewinnen sie mit der Authentizität des Tieres an ihrer Seite selbst an Authentizität.
Wortlos scheinen Tiere den Männern Wert und Sinnhaftigkeit ihrer Existenz zu vermitteln und sie in einen Zustand fast kindlicher Unschuld zu versetzen; ihr Umgang mit den Tieren wirkt einfach, liebevoll, ruhig und natürlich. Dazu beitragen mag der Umstand, dass das Verhältnis zwischen Mann und Tier mit einer Klarheit der Hierarchie, Rollenzuweisungen und Funktionen verbunden ist, wie es sie zwischen den Geschlechtern in Zeiten von „Me Too“ längst nicht mehr gibt.
Immer wieder wollen Frauen von der Fotografin wissen, wie und wo sie all die großartigen Männer gefunden hat. War das nicht schwer und sehr aufwendig?
Nein, denn die meisten Protagonisten stammten aus ihrem direkten Umfeld: „Die Männer mit ihren Tieren wurden mir zugetragen oder sind mir zugelaufen, irgendwo begegnet, immer und überall. Auf dem Bauhof, in der Zeitung, im Internet, am Telefon und beim Ausreiten. Ich musste sie nur fragen, und sie haben Ja gesagt. Alle. Bis hin zum Hufschmied, der mit einem Falken auf dem Beifahrersitz zu seinen Kunden fährt.“ Hinzu kamen einige Prominente wie Hilmar Hoffmann, der große Mann der Kulturpolitik mit Rauhaardackel Bastl, und Comedian Henni Nachtsheim („Badesalz“, „Rodgau Monotones“) mit Dogge Mathilda.
Die Bilder der Männer mit ihren Tieren mögen idyllisch wirken. Doch um das Idyll allein geht es nicht; die zentrale Frage hinter den Themen der Fotografin ist eine existenzielle: Was vermittelt dem Menschen Lebenssinn? Warum steht man jeden Tag auf, strengt sich an, freut sich, trauert, leidet, um dann irgendwann doch zu sterben? Kirche und Familie fallen als Sinn gebendes Korsett zunehmend weg; in asphaltglatten Städten ist die Natur nicht zu spüren. Menschliche Beziehungen werden als kompliziert erlebt, grundlegende Bedürfnisse nach Liebe, seelischer und körperlicher Nähe und Zuwendung nicht erfüllt.
Tieren scheint die Befriedigung dieser Bedürfnisse oft zu gelingen. Sie lassen uns fühlen, warum wir leben, lassen uns spüren, dass wir geboren sind, um zu lieben, zu beschützen, zu pflegen, zu vermissen. Sie erinnern uns daran, dass wir Teil der Natur und eines großen Ganzen sind.
Männer und ihre Tiere: Man könnte der Fotografin vorwerfen, dass sie ausschließlich besonders liebreizende Exemplare ausgesucht habe. Das ist richtig und das ist falsch. So wurde der Hase geschlachtet und die Rinder sind in der Bratpfanne gelandet. Alle fotografierten Männer aber haben ihre Tiere zu Lebzeiten mit Liebe und Respekt behandelt; nur solchen Männern konnte Ruth Marcus beim Fotografieren das Gefühl vermitteln, dass sie sich so zeigen können, wie sie sind. Oder wie Eckhard Fuhr es beschrieben hat:
Männer und ihre Tiere: „Hier ist er Mensch. Gerettet aus den Trümmern ihrer Rollenbilder, auf einmal zärtlich, verlässlich und schön“.
In der Ausstellung im Schloss Philippsruhe werden über 80 Aufnahmen gezeigt. Großformatig und schwarzweiß.
Zur Person von Ruth Marcus
Nach dem Studium der Medizin arbeitete arbeitete sie zunächst als Ärztin und freie Medizinjournalistin. Seit 2005 widmet sie sich freien Fotoprojekten, zu denen sie meist durch Erfahrungen in ihrem persönlichen Umfeld angeregt wird: so war Dobermann-Hündin Töle das erste, vermutlich unerreichbare Model der Fotografin, dicht gefolgt von Araberhengst Sharon und Katze Tussie. Bislang hat sie 6 Bildbände publiziert. Bücher PferdeAugenBlicke; Männer und ihre Tiere; Katzen; Das große Buch der kleinen Hunde, Welpen und Hundeaugenblicke. Neben diesen Arbeiten wurden besonders ihre Fotografien der Skulpturen des Tierbildhauers August Gaul beachtet. Ihre Bilder wurden in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt. Ruth Marcus lebt und arbeitet bei Frankfurt am Main.
Begleitprogramm
Mit der Künstlerin kann man gemeinsam auf Entdeckungstour durch die Ausstellung gehen. Die Termine werden hier demnächst publiziert.
Kitas und Schulen können gerne individuelle Termine unter 06181 / 2950 2148 oder über unser Veranstaltungsformular buchen.
Das Begleitprogramm finden Sie im Veranstaltungskalender.
Schloss Philippsruhe
19. Mai bis 18. Oktober 2026
DI–FR 10–17 Uhr, SA/SO 11–18 Uhr
PREISE ANREISE & KONTAKT ÖFFNUNGSZEITEN AN FEIERTAGEN









