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Frontgiebel vom Neustädter Rathaus

1733

Die 1597 gegründete Neustadt Hanau mit ihrem schachbrettförmigen Straßenraster wurde von Baumeister Nicolas Gillet geplant. An der Nordseite des Marktplatzes blieb ein Bauplatz frei, an dem am 31. Juli 1606 der Grundstein für ein Rathaus gelegt und eine Mauer zum Abschluss des Rathausplatzes errichtet wurde. Wegen fehlender Haushaltsmittel mussten die Ratsherren abwechselnd in ihren Privathäusern tagen. Die freie Stelle diente in der Folgezeit als Holzhof und Lagerplatz.

Erst über hundert Jahre später, 1725 bis 1733, wurde das barocke „Neustädter Rathaus“ realisiert und damit die Häuserzeile geschlossen. In der Altstadt wurde im Altstädter Rathaus (seit 1942 Deutsches Goldschmiedehaus) regiert. Beide Städte fusionierten erst im Zuge der kurhessischen Gemeindeordnung Anfang des 19. Jahrhunderts. Erst seit 1820 existiert das Amt des Hanauer Oberbürgermeisters.

Baudirektor des Neustädter Rathauses war Christian Ludwig Hermann. Am 11. Juni 1725 wurde im Beisein von Graf Johann Reinhard III. von Hanau-Lichtenberg der Grundstein gelegt. Hammer und Kelle, die dafür verwendet wurden, sind erhalten. Der Rohbau war bereits 1726 fertiggestellt. Acht Jahre später, 1733, war auch der Innenausbau vollendet. Als bauleitende Ratspersonen sind I. S. Baron senior und Heinrich van Alphen überliefert. Die Gesamtkosten betrugen 20.022 fl. Die festliche Einweihung fand am 5. November 1733 statt.

Die Frontseite hat die Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs unbeschadet überstanden. 1965 zogen die politischen Gremien in das wieder aufgebaute Haus ein. Von 2018 bis jetzt wurde das Gebäude grundlegend saniert und präsentiert sich an diesem Wochenende zu Tagen der offenen Tür völlig neu. Eine Ausstellung bis 3. Oktober informiert über „425 Jahre Neustadt und Wallonisch-Niederländische Kirche“ und auch die Geschichte des Ortes der lokalen Demokratie.

Das Giebelrelief zeigt das Doppelwappen von Graf Johann Reinhard III. (1665 – 1736) und seiner Frau Dorothea Friederike von Brandenburg-Ansbach (1676 – 1731). Es wird von zwei allegorischen Frauenfiguren flankiert: Zur Linken die Gerechtigkeit mit Waage, Zepter und Adler mit Schwert. Zur Rechten erscheint der Frieden mit goldener Fackel, (Gesetz)Buch und Kranich, der Wachsamkeit symbolisiert. Beide Tugenden waren den Neustadtbewohnerinnen und –bewohnern ein besonders hohes Gut. Der erst 1755 aufgebaute Glockenturm wird vom Hanauer Wappentier, dem Schwan, als goldene Wetterfahne bekrönt.

 

23022022 IIAbbildung: Frontgiebel vom Neustädter Rathaus 2022
(© Fachbereich Kultur der Stadt Hanau, Martin Hoppe)