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#322

Versteinerter Blick

Die evangelische Johanneskirche gibt es in Hanau gleich zweimal: in der Altstadt die kriegszerstörte und dann aufgelassene Alte Johanneskirche (siehe OdW #089, heute Kulturzentrum AJOKI) und an der Frankfurter Landstraße / Ecke Theodor-Fontane-Straße die Neue Johanneskirche, in der weiterhin Gottesdienste gefeiert werden. Sie wurde von Baurat Heinrich Otto Vogel aus Trier (1898-1994) in drei Teilen entworfen (kubischer Hauptbau, Wandelgang / Gemeindehaus und Campanile), allesamt mit dem Bruchstein Trachyt verblendet. Vogel arbeitete 1965/66 auch an der Hanauer Kreuzkirche im Stadtteil Lamboy/Tümpelgarten.

Rechts vor dem Eingang der Neuen Johanneskirche wurde 2004 in Zusammenarbeit mit der benachbarten, inzwischen leider nicht mehr bestehenden Galerie König das Kunstwerk „Versteinerter Blick“ aufgestellt. Es stammt von dem 1947 in Bad Hersfeld geborenen Bildhauer, Maler und Zeichner Dieter Oehm, der u.a. an der Werkkunstschule Offenbach und der Frankfurter Städelschule bei Michael Croissant (1929–2002) studierte. Lehm hatte Lehraufträge an der Hanauer Zeichenakademie und der Hochschule für Gestaltung Offenbach inne. Aus einem Marmorblock arbeitete er ein stilisiertes Auge heraus. Dabei lehnte sich der Künstler an das Wirken der Medusa der griechischen Mythologie an, die als Gorgone / Schreckensgestalt den Blick von Menschen versteinern ließ. Dem konnte (und kann auch heute) mit Licht, Mut und Geschick entgegnet werden.

Text: Martin Hoppe

 

„Versteinerter Blick“ von Dieter Oehm vor der Neuen Johanneskirche

 

„Versteinerter Blick“ von Dieter Oehm vor der Neuen Johanneskirche (© Fachbereich Kultur der Stadt Hanau, Aufnahme Martin Hoppe)