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Er war der prägende hessische „Landesvater” der Nachkriegszeit: Dr. Georg-August Zinn. Vor 125 Jahren in Frankfurt geboren, vor 75 Jahren als Ministerpräsident vereidigt und vor 50 Jahren in Frankfurt verstorben. Unter dem NS-System wurde der Sozialdemokrat und Jurist mit Kanzlei in Kassel bedrängt und in „Schutzhaft” genommen. Sein jüngerer Bruder Karl, der der Widerstandsgruppe Roter Stoßtrupp angehörte und dafür sieben Jahre Haft verbüßen musste, kam 1943 in Berlin bei Aufräumarbeiten durch eine explodierende Bombe ums Leben.

Zinn nahm vom 1940-1945 als Soldat am Zweiten Weltkrieg teil und startete danach als unbelasteter promovierter Jurist eine steile politische Karriere. Zuerst hessischer Justizminister (1945-1949) war er einer der Väter der Hessischen Verfassung von 1946. 1948/49 vertrat er das Bundesland im Parlamentarischen Rat, der das Grundgesetz für die junge Bundesrepublik ausarbeitete. Als 1950 ein neuer Ministerpräsident in seinem „Hessenland” gewählt werden sollte, war er zur Stelle, von 1951-1963 auch als Justizminister. Die charismatische Persönlichkeit mit einem ausgeprägten Sinn für soziale Gerechtigkeit fuhr für die SPD zwischen 44 und 51 Prozent der Stimmen bei den Landtagswahlen ein. Zinn steht u.a. für den „Großen Hessenplan” zur Landesentwicklung, den Ausbau des Frankfurter Flughafens, die Berufung von Fritz Bauer zum Generalstaatsanwalt für die Auschwitz-Prozesse und den „Hessentag” unter dem Motto: „Hesse ist, wer Hesse sein will” - zu einer Zeit, als fast 1 Million Flüchtlinge und Vertriebene hier eine neue Heimat fanden. Nach einem Schlaganfall zog sich Zinn 1969 aus der Politik zurück.

 In seinem überaus kompetenten Regierungsteam spielte auch ein Hanauer eine wichtige Rolle: Heinrich Fischer (1895-1973). Der gelernte Werkzeugschlosser, als Sozialdemokrat ebenfalls vom NS-Regime verfolgt und im KZ inhaftiert, war nach 1945 Leiter des Arbeitsamtes, Stadtverordnetenvorsteher, Vorsitzender der SPD-Stadtverordnetenfraktion und stellvertretender Vorsitzender der SPD Fraktion im Hessischen Landtag. 1951 wurde er im Kabinett Zinn zum Staatsminister für Arbeit, Landwirtschaft und Wirtschaft ernannt, nach einer Ressortumbildung 1953 zum Staatsminister für Arbeit Wirtschaft und Verkehr. Von 1956-1962 amtierte Fischer als Oberbürgermeister von Hanau. Das erste Dorfgemeinschaftshaus in Hessen / Heinrich Fischer-Haus in Mittelbuchen und das Heinrich Fischer-Bad erinnern an ihn. Auch war er mit Hanauer Vereinen Vater des Bürgerfests.

 Zinn war oft in der Brüder-Grimm-Stadt zu Gast: etwa beim Besuch von Bundespräsident Theodor Heuss zur Wiederöffnung des Deutschen Goldschmiedehauses 1958, bei diversen „Kreisbereisungen” und natürlich zum 3. Hessentag 1963. Er ist mit „Hochkopferten”, „normalen Leuten” und Kindern zu sehen, denen er bereitwillig Autogramme gab. So verteilte der Ministerpräsident 1958 bei einem Besuch der Schule in Wolfgang Bälle an erwartungsfrohe Kinder. Im Bildhintergrund sind Wolfgangs Bürgermeister Ernst Barthel und Landrat Wilhelm Voller zu sehen. Vielleicht erkennen sich einige Leserinnen und Leser und melden sich mit ihren Erinnerungen?

 Wer sich näher über das „Politikertandem” informieren möchte, hat noch bis Ende August Gelegenheit, sich im Kulturforum im zweiten Stock eine Wanderausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung über Georg-August Zinn anzusehen. Ergänzt wurde die Schau mit Fotografien aus dem Bestand des Medienzentrums Hanau / Bildarchiv und Devotionalien aus dem Nachlass von Heinrich Fischer im Stadtarchiv. Darunter befinden sich auch dessen Spazierstöcke und Weihnachtskugeln, die Fischers einst bei Familie Eberhardt am Marktplatz gekauft hatten.

   Text: Martin Hoppe

 

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Der hessische Ministerpräsident Dr. Georg-August Zinn beim Besuch der Schule in Wolfgang 1958 (Medienzentrum Hanau / Bildarchiv)