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Guillaume Baron de Lamboy

Stahlstich, 17. Jahrhundert

Historisches Museum Hanau / Hanauer Geschichtsverein 1844 e.V.

Dieses Wochenende könnten wir eigentlich das 384. Lamboyfest feiern – wenn nicht gerade Corona-Pandemie wäre ... Das Volksfest, eines der ältesten in Hessen, geht auf den Entsatz Hanaus im Dreißigjährigen Krieg 1636 zurück. Die kaiserlichen katholischen Truppen unter General Guilaume von Lamboy belagerten das protestantische Hanau. Wilhelm V. von Hessen-Kassel kam am 13. Juni mit seinem Heer zu Hilfe und entsetzte die Stadt. Als Dank für die Befreiung wurden erst Gottesdienste gehalten, später entwickelte sich ein Volksfest an der von Lamboy erbauten Lamboybrücke im „Lamboybrückenwald“. Eigentlich müsste das Lamboyfest „Lamboybrückenwaldfest“ genannt werden. Die alten Hanauer kürzten liebevoll auf „Lambewald“ ab und benannten es somit nach dem einstigen Feind (!). Später wurde Lamboy Namensgeber für die Straße in die Bulau. Mit dem Bau der Kasernenareale entwickelte sich um 1900 der „Stadtteil Lamboy“. Seit 1986 wird das Lamboyfest in der Innenstadt, seit 2003 zum 700-jährigen Jubiläum der Hanauer Stadtrechte in der Altstadt gefeiert.

Wer war nun dieser Baron de Lamboy? Guillaume / Wilhelm von Lamboy kam um 1590 in Flandern zur Welt. Seine Familie gehörte zur Ritterschaft des Hochstifts Lüttich. 1632 kämpfte Lamboy als Oberst im Dreißigjährigen Krieg in der Schlacht bei Lützen und geriet in schwedische Gefangenschaft. Aus ihr kam er durch einen Gefangenenaustausch frei und wurde von Kaiser Ferdinand mit dem Landgut Dimokur in Böhmen „belohnt“. Lamboy war Mitunterzeichner des 1. Pilsener Revers, sagte sich wenig später von Wallenstein ab, wurde zum Generalquartiermeister ernannt und 1634 in den Reichsfreiherrnstand erhoben. 1635 bis 1636 fand die Blockade von Hanau statt. Danach nahm er u. a. am Frankreichfeldzug bis nach Dijon teil, befehligte Truppen in den Niederlanden, in Arras 1640 und bei Sedan 1641, stand in spanischen Diensten und erhielt 1645 den Titel eines kaiserlichen Feldmarschalls, 1649 den eines Generalfeldmarschalls. Nach dem Westfälischen Frieden zog der entschiedene Kämpfer gegen die Reformation mit seiner Familie nach Dimokur, wo er am 12. Dezember 1659 starb. Weitere Details zu Lamboys Leben finden Sie auf wikipedia.

 

WvLamboyGuillaume von Lamboy
(© Medienzentrum Hanau/Bildarchiv, Ausschnittfoto: Martin Hoppe)