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Wasserturm / Stadtturm

Es ist neben Teilen der Altstadtmauer das älteste Gebäude, das in der Hanauer Innenstadt die Zeitläufte überdauert hat: der „Wasserturm“ an der Heinrich-Bott-Straße (vor der Gebietsreform: Marienstraße).

Nachdem König Albrecht am 2. Februar 1303 der Siedlung Stadt- und Marktrechte verliehen hatte, durfte die Obrigkeit eine Ringmauer bauen („Stadtluft macht frei“). Reste des Wehrsystems befinden sich heute in der Schlender- oder Schlenkergasse genannt, an der Nordstraße, der Alten Johanneskirche und in einigen Innenhöfen der Wohnhäuser.

Dominante war der Endturm der Stadtbefestigung am Übergang zur Schlossanlage aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. 1457 wird er das erste Mal urkundlich erwähnt. Als Graf Philipp Ludwig II. von Hanau-Münzenberg um 1600 am Schloss bauen ließ, bekam der Turm sein jetziges Aussehen. Gut zu erkennen ist der zugemauerte Anschlag einer Zugbrücke mit ehemaligem Wehrgang. Philipp Reinhard von Hanau-Lichtenberg (der Erbauer von Philippsruhe) errichtete 1685-1691 den Kanzleibau und schloss den Fronhof optisch mit einem Gebäuderiegel zum Turm hin.

Anfangs diente das Gemäuer als Gefängnis zur Bestrafung der Burgmannen, bis 1829 als Militärgefängnis, danach als Teil des Stadtarchivs, ehe 2015 das Kulturforum auf dem Freiheitsplatz eingeweiht und dort alles zum Thema Buch und Bild in der Stadt zentral zusammengefügt werden konnte. „Wasserturm“ heißt er umgangssprachlich, weil am breiten Wassergraben gelegen, der Stadt und Schloss trennte. Die korrekte Bezeichnung wäre „Stadtturm“.

Text: Martin Hoppe

 

Stadtturm am Kanzleigebäude in der Hanauer AltstadtStadtturm am Kanzleigebäude in der Hanauer Altstadt (© Fachbereich Kultur der Stadt Hanau, Aufnahme: Martin Hopp)