70. Todestag von Karl Rehbein
Er war der erste nach der Zeit der NS-Diktatur wieder frei gewählte Oberbürgermeister von Hanau: Karl Rehbein. Der gelernte Goldschmied wurde am 14. Oktober 1885 in der Brüder-Grimm-Stadt geboren und verstarb im Amt am 3. März 1956 – vor 70 Jahren.
Karl Heinrich Ferdinand Rehbein besuchte die Volksschule in Hanau. Nach einer Goldschmiedelehre trat er 1902 in den Deutschen Metallarbeiter-Verband (DMV) ein, 1905 in die SPD. 1907 bis 1909 leistete er seinen Militärdienst, im Ersten Weltkrieg diente er als Sanitätsunteroffizier. 1910 Heirat mit Klara Schunck (1886–1967). Wegen Meinungsverschiedenheiten über die Bewilligung von Kriegskrediten durch die SPD schloss er sich dem in Hanau stark vertretenen Spartakusbund an. 1918 hauptamtlicher Sekretär des DMV und 1919 bis 1933 dessen Geschäftsführer.
Von 1920 bis 1933 Stadtverordneter in Hanau (zunächst USPD, ab 1921 KPD, ab 1929 SPD), 1921 bis 1928 Mitglied des Kurhessischen Kommunallandtags in Kassel bzw. des Provinziallandtag der preußischen Provinz Hessen-Nassau und 1928 bis 1933 des Preußischen Landtags. Nach der sog. Wittorf-Affäre wurde Rehbein aus der KPD ausgeschlossen und nahm sein Landtagsmandat ab 1929 für die SPD wahr, 1932 wiedergewählt.
Unter dem NS-Regime folgten erhebliche Repressalien. Von 1933 bis 1936 musste seine fünfköpfige Familie von Arbeitslosenunterstützung leben. 1936 wurde Rehbein verhaftet und bis 1940 in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt, nach dem Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 bis Ende April 1945 im Konzentrationslager Dachau inhaftiert.
Nach dem Zusammenbruch des sog. „Dritten Reichs“ und der Befreiung durch die US-Army Vorsitzender des antifaschistischen Bürgerausschusses in Hanau. Am 1. April 1945 setzte ihn die Militärkommandantur als Polizeidirektor für Hanau ein. Vom 26. Februar bis 14. Juli 1946 Mitglied des Beratenden Landesausschusses Groß-Hessen, der die Verfassung für Hessen vorbereitete. Nach den Kommunalwahlen im Frühjahr 1946 wurde Karl Rehbein zum Hanauer Oberbürgermeister gewählt. Das Amt übte er bis zu seinem Tode aus. Der weithin als „Vater der Stadt“ geachtete OB kümmerte sich um nahezu alle Angelegenheiten des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg. 1955 erhielt er das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Seine Ehrengrabstätte befindet sich auf dem Hanauer Hauptfriedhof. Die Karl-Rehbein-Schule trägt seinen Namen.
Nähere Informationen über Rehbeins Wirken finden sich im Landesgeschichtlichen Informationssystem LAGIS und in der Hessischen Parlamentarismusgeschichte (gelistet sind hier auch seine Redebeiträge im Hessischen Landtag).
Text: Martin Hoppe
Karl Rehbein, 1885–1956 (© Medienzentrum Hanau / Bildarchiv)




