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#313

Teehaus

In der letzten Woche würdigten wir Claus Bury zu seinem 80. Geburtstag. Der renommierte Bildhauer wohnte in den 1970/80er Jahren im Schloss Philippsruhe und hatte sein Atelier im sog. Teehaus an der Südwestecke des Schlossparks. Nur: Was hat es mit diesem Gebäude auf sich?

Der Gartenpavillon, ursprünglich „Tempel“ genannt, ist ein Belvédère (Schöne Aussicht, Bellevue) und wurde von dem Schlossarchitekten und Oberhofbaumeister Johann Conrad Bromeis (1788–1855) in der Regentschaft von Kurfürst Wilhelm II. von Hessen-Kassel im klassizistischen Stil 1827–29 erbaut. Die Hanauer Denkmalschutztopografie gibt wie folgt Auskunft:

Das Belvedere besticht durch die feingliedrige Interpretation seines sachlichen, durch Sandsteinlisenen, Fries und Bögen gegliederten Baukubus – neben dem Zahnschnitt und den Kompositkapitellen kamen vornehmlich Palmettenbänder, Mäanderformen und Lorbeerkränze mit Schleifenornat zur Anwendung. Der schon bald durch weiße Putzflächen und Sandsteinversatzstücke weiß-rot farblich betonte Bau präsentierte sich zur Bauzeit jedoch in den Farben lindgrün (Wandflächen) und Weiß (Lisenen). Im Innern besticht der zweigeschossige tonnengewölbte Gartensaal aufgrund einiger erhaltener Partien der ursprünglichen Freskierung (Floraldekor; Violinist). Über das Treppenhaus gelangte man auf das flach geneigte begehbare Pyramidendach; der einst ausgelegte Eisenblechgang blieb jedoch ebenso wie das klassizistische Eisengitter nicht erhalten.

Ursprünglich konnte man demnach mit Hilfe einer Wendeltreppe am Hauptsaal durch eine Luke nach oben steigen und von einem Geländer geschützt die Aussicht auf den Main genießen – die höfische Gesellschaft hatte Gelegenheit, mit teils musikalischer Unterhaltung ungestört über und mit wem auch immer kommunizieren …

Nachdem Claus Bury sein Atelier nach Frankfurt verlegte, wurden im „Teehaus“ zeitweilig Kunstausstellungen durchgeführt, ehe für die Märchenfestspiele, heute Brüder Grimm Festspiele, Garderoben eingebaut wurden.

Text: Martin Hoppe

 

Teehaus / Belvedere im Schlosspark Philippsruhe Fachbereich Kultur der Stadt Hanau, Aufnahme: Martin Hoppe)