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Neustadtplan

Der mit Hanau eng verbundene Bildhauer Claus Bury kann am 29. März seinen 80. Geburtstag feiern. Professor Bury entstammt einer Jahrhunderte in Hanau ansässigen Hugenottenfamilie (ein Ölporträt von Jean Jaques Bury als Mitgründer der Zeichenakademie ist in der Neustadtabteilung im Historischen Museum Schloss Philippsruhe zu sehen). Nach dem Besuch der „ZA“ 1962-65 und der Werkkunstschule Pforzheim 1965-69 avancierte der gelernte Goldschmied zu einem der profiliertesten internationalen Künstler von monumentalen architektonischen Skulpturen aus Stahl und Holz im öffentlichen Raum. Zu nennen sind etwa das „Pendulum“ an der Mainzer Landstraße in Frankfurt am Main (1997), der „Bitterfelder Bogen“ (2006) oder „In Line of History“ zur Expo in Saragossa (2008). Er hatte Lehraufträge an den Universitäten Wuppertal und Nürnberg inne.

In Hanau realisierte Claus Bury 1990 den „Engpass“ als Teil des Stadtbildhauerprojekts am Mainufer von Philippsruhe, der inzwischen kontrolliert abgebaut wurde. Dafür schenkte er der Stadt im Zuge einer Sonderausstellung im Historischen Museum 2016 das „Tempeltor“, das in Höhe der Orangerie im Schlosspark zur Aufstellung kam, gegenüber dem Teehaus, das ihm einst als Atelier diente. Bereits 2003 wurde die Wandplastik „Stufenwärts“ zur Eröffnung des Congress Park Hanau präsentiert, das der Förderverein Theater- und Kulturzentrum finanzierte und seitdem im Henriette Westermayr-Foyer die Besucherinnen und Besucher empfängt. Die Sparkasse Hanau erwarb u. a. großformatige Arbeiten der Werkgruppe „Bauernfotografie“, auch vor dem Büro der Landgerichtspräsidentin an der Nussallee sind Entwurfszeichnungen seiner Kunstwerke zu sehen.

2020 konnte Burys markanter „Neustadtplan“ an der Französischen Allee realisiert werden. Vorbild ist eine Vogelschau von Hanau aus dem 17. Jahrhundert, dargestellt die 1597 gegründete Neustadt in ihrem Grundriss. Die Stadtskulptur aus Hintertiessen Granit (ein Plutonit, der vor etwa 280 bis 300 Millionen Jahren im Erdzeitalter des Karbons entstand) misst beachtliche rd. 12 x 15 Meter und hat sich inzwischen zu einem beliebten Beginn von Führungen gemausert: „Wir treffen uns am Stadtplan.“ Ab und zu werden sogar Kita-Gruppen gesichtet, die mit ihren Miniaturautos die Straßenräume samt historischen Namen erkunden und damit Geschichte – im wahrsten Sinne des Wortes - praktisch „erfahren“.

Claus Bury erhielt mehrere renommierte Stipendien, 2011 den Kulturpreis des Main-Kinzig-Kreises und 2022 die August-Gaul-Plakette, die höchste kulturelle Auszeichnung der Stadt Hanau. Auch wir gratulieren sehr herzlich zum Geburtstag!

Text: Martin Hoppe

 

„Neustadtplan“ von Claus Bury, 2020 Medienzentrum Hanau / Bildarchiv, Aufnahme: Roland von Gottschalck)