Schleichendes Wiesel
Ab dieser Woche ist im Nordflügel der Belétage von Schloss Philippsruhe die Sonderausstellung „Banal, bizarr, brilliant“ zu sehen. In ihr sind zahlreiche Exponate vereint, die den Städtischen Museen in den vergangenen Jahren als Schenkungen oder Ankäufe zugingen bzw. in den Depots aufbewahrt werden. Wie der Titel andeutet, handelt es sich um eine spannende „bunte Mischung“ an herausragenden archäologischen Fundstücken, Gemälden bis hin zu kuriosen Alltagsgegenständen, die Kunst, Design, Sozial- und Kulturgeschichte der Brüder-Grimm-Stadt illustrieren.
Eines der Objekte ist ein schleichendes Wiesel, das der Bildhauer und Porzellanbildner Julius Feldtmann gestaltete. Feldtmann wurde am 8. Mai 1856 in Hanau geboren (vor 170 Jahren) und studierte an der hiesigen Zeichenakademie. Dort wurde er ab 1912 als Hilfslehrer, ab 1921 als Oberlehrer für Ornament, Relief und Modellieren mit Bronze berufen. Insbesondere seine Tierentwürfe fanden regen Anklang. Nebenjobs waren auch damals üblich: Von 1910 bis 1920 avancierte er als Vertreter des Jugendstils zum freien Mitarbeiter der Porzellan-Manufaktur Rosenthal in Selb und der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM). Bekannt sind seine figurinen Dekorationsobjekte Hahnenkampf, Eisvögel, Pfefferfresser, Pierrot und Pierette, aber auch Judith mit dem Haupt des Holofernes.
Aufmerksamen Leserinnen und Lesern des Objekts der Woche wird der Name Feldtmann schon einmal aufgefallen sein. Eine seiner Schülerinnen war Paula Dittberner, die in ihrem Blumenstillleben „Astern“ eine Porzellanfigur ihres Lehrers aufnahm (siehe OdW #236). Das Gemälde ist ebenfalls in der Ausstellung vertreten. Neben dem keck dreinschauenden Wiesel von Rosenthal kann ein Tukan von KPM aus der Hand von Julius Feldtmann bewundert werden. Der Künstler starb am 11. November 1933 in Hanau.
Text: Martin Hoppe
Schleichendes Wiesel von Julius Feldtmann, Entwurf um 1912, HMH-B2023.0527 (© Städtische Museen Hanau)




