unabhängigkeit - nach krieg mit hessischer beteiligung
Dieser Tage feiern die Vereinigten Staaten von Amerika ihren 250. Independance Day.
Was mit einem Protest gegen Steuern des britischen Empire begann, führte am 4. Juli 1776 zur Eigenständigkeit. Der Kontinentalkongress als Vertretung aller 13 rebellierenden Kolonien (deshalb 13 Streifen auf der US-Flagge) verabschiedeten unter Leitung ihres Oberbefehlshabers George Washington in Philadelphia die Unabhängigkeitserklärung mit republikanischer Verfassung. Die Briten ließen sich diesen „Exit“ nicht gefallen und stiegen in Kampfhandlungen ein. Es dauerte sieben Jahre bis der Revolutionskrieg am 3. September 1783 mit dem Frieden von Paris beendet war und Großbritannien die USA als eigenständigen Staat anerkannten. Washington wurde 1789 zum ersten Präsidenten gewählt. Thomas Jefferson, der die Erklärung maßgeblich verfasst hatte, kam übrigens 1788 auf einer Europareise nach Hanau und wurde 1801 das 3. Staatsoberhaupt der USA.
In den kriegerischen Auseinandersetzungen wurden auch hessische Soldaten eingesetzt. Landgraf Friedrich II. und sein Sohn Erbprinz Wilhelm IX. verliehen ihrem englischen Verwandten König George III. rund 19.500 Männer aus ihren Herrschaftsgebieten Hessen-Kassel und Hessen-Hanau. Durch die Einnahme sog. Subsidiengelder stiegen beide in die Riege der reichsten Fürsten Europas auf. Wilhelm konnte von den Einnahmen u.a. das "Juwel Wilhelmsbad“ bauen. Sein Vater Friedrich erlebte eine Wiederauferstehung in dem hr/ARD-Fernsehspiel von Fritz Umgelter nach Sandra Parettis Roman „Der Winter, der ein Sommer war“ in Person des im Karussell fahrenden Schauspielers Günter Strack (1976).
Unter den „Leihsubjekten“ des 18. Jahrhunderts zogen auch einige Frauen mit in die Neue Welt. Am bekanntesten ist wohl „Generalin“ Riedesel, die in Amerika den Weihnachtsbaum einführte. Viele Soldaten, die durch den Sold ihre Familien in Europa stützen konnten, kamen bei den Kämpfen in Nordamerika oder bei den Überfahrten ums Leben, andere desertierten oder ließen sich nach dem Ende der Kampfhandlungen als Migranten in der Heimat indigener Amerikaner nieder. Über den Weg der Miltärs, es wurde am „Hanauer Hafen“ an der Hellerbrücke und an der Landmarke „Läusbaum“ am Main Richtung Dörnigheim eingeschifft, berichten einige Autoren in „Journalen“. Besonders lesenswerte Zeitzeugenberichte haben der Offizier Wilhelm Rudolph von Gall (1734-1799), Major Georg Pauesch (1736-1796) und Kapitain Friedrich Jakob Hildebrand (1733-1783) hinterlassen, die in den Hanauer Geschichtsblättern publiziert wurden. Die Bücher können in der Stadtbibliothek im Kulturforum ausgeliehen werden.
Wie wir leider wissen, haben Kriege nicht nur auf dem Schlachtfeld Gewinner und Verlierer: Für die örtlichen Schneider, Stiefel-, Knopf-, Büchsenmacher und andere Handwerker mehr waren die Aufträge für Ausstattungen der Soldaten ein Segen. Die aufwendig gearbeiteten Uniformen sind durch Originalzeichnungen von Mitreisenden überliefert. So dokumentierte Kapitain Friedrich von Germann Artilleristen, Grenadiere, Musketiere und Jäger der „Hessians“. Weitere Zeichner portraitierten schwarze Sklaven, die als Tamboure oder Pfeifer eingesetzt waren, wie Irokesen als Fährtenleser und Übersetzer.
Text: Martin Hoppe

Friedrich von Germann, Uniform der Hessen-Hanauischen Artillerie, 1776 (Stadtarchiv Braunschweig)




