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#317

Monstranzrelief und Markt

Die Marienkirche ist das älteste erhaltene Gebäude Hanaus. Sie wurde 1316 erstmals urkundlich erwähnt und in den letzten Jahren mit kirchlichen, öffentlichen wie privaten Spenden aufwändig restauriert. Besonders beeindruckend sind die zahlreichen Grabdenkmäler und gotischen Glasbuntfenster im Inneren.

Aber auch Details an der Außenseite des Gotteshauses sind bemerkenswert. So ist an einem Chorpfeiler an der Nordostecke ein Monstranzrelief erhalten, eine Sandsteinarbeit, die noch aus der Zeit vor der Reformation stammt. Darauf sind zwei sich Trauben reichende Engel mit Flügeln vor Palmen um eine Monstranz (von lateinisch monstrare = zeigen) abgebildet. Das „Schaugerät“ (Ostensorium) nimmt eine geweihte Hostie mit dem Christogramm (Iesus Hominum Salvator = Jesus, Retter der Menschen, volkstümlich = Jesus, Heiland, Seligmacher) auf, die bei katholischen Gottesdiensten und Prozessionen, etwa zu Fronleichnam, zur Verehrung und Anbetung gezeigt wird. Gekrönt wird das kleine Kunstwerk von einer Fiale, einem schlanken, spitz zulaufenden Türmchen mit Krabben (Blattformen an den Kanten) und einer Kreuzblume als Abschluss.
Ein typisches architektonisches Kleinod der Gotik.

In sieben Außennischen um den Chor erscheinen auf den ersten Blick merkwürdige Aussparungen. Was hat es mit diesen auf sich? Mit Verleihung der Stadtrechte durch König Albrecht am 2. Februar 1303 waren für Hanau auch Marktrechte verbunden. Der Markt fand auf dem Altstädter Markt vor dem Rathaus (heute Deutsches Goldschmiedehaus), aber auch rund um die Kirche statt. In die eigens bereitgehaltenen Mauerlöcher konnten Holzbalken oder Stangen eingeklemmt werden, um Hängevorrichtungen für Wetterschutz und Waren des täglichen Bedarfs zu schaffen. Die Marienkirche als zentraler Ort mit viel Publikumsverkehr erwies sich als veritabler Ort für Handel und Handwerk. Andernorts haben sich bis heute dauerhaft eingebaute kleine Läden, Souvenirshops und sogar Imbisse erhalten. Bekannte Beispiele sind die evangelische Heiliggeistkirche an der Hauptstraße in Heidelberg oder die katholische Marienkapelle auf dem Unteren Markt in Würzburg. Beide gehen - wie die Hanauer Marienkirche - auf das 14. Jahrhundert zurück.

Text: Martin Hoppe

 

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Am Chor der Marienkirche Fachbereich Kultur der Stadt Hanau, Aufnahmen: Martin Hoppe)