hu logo lang 400px sw

#323

390. Lamboyfest

Dieses Wochenende können wir das inzwischen 390. Lamboyfest, eigentlich „Lamboybrückenwaldfest“ oder mundartlich „den Lambewald“ in der Hanauer Altstadt feiern. Zu den historischen Fakten und Namensgebungen wurden an dieser Stelle bereits mehrere Objekte vorgestellt, die unter folgenden links abrufbar sind: Siehe hierzu OdW #010, OdW #064, OdW #115 und OdW#271.

Die Postkarte vom Hanauer Lamboywaldfest wurde von Professor Wilhelm Schultz gezeichnet, u. a. Vater des Lauterbacher Strolchs (siehe OdW #076). Verlegt wurde das kleine Kunstwerk in den 1920er Jahren bei Korb Nachfahren / Verlag Friedrich Wollenhaupt in Hanau. Es vermittelt einen guten Eindruck von der freundlich-gelassenen Stimmung, als die Bevölkerung über alle Schichten hinweg mit Handwagen, „Radonekuche“, Nicolay-Bier, Wein, Limonade etc. vor die Stadt zog und es sich in Zeltgemeinschaften und bei diversen Jahrmarktbelustigungen gut gehen ließ.

Ein Bericht der Hessischen Volkszeitung vom 13. Juni 1868 (Samstag) gibt einen Eindruck, wie es war: Das Lamboifest von Hanau, in den letzten Tagen schwer bedroht vom Regen, entwickelte sich heute beim prächtigsten Wetter zu jenem herrlichen Volksfeste, bei welchem sich die ungetrübte Heiterkeit des Hanauers in ihrem schönsten Lichte zeigte. Von fünf morgens bis zum späten Abend wogt es hinaus in den Wald. Groß und Klein, Alt und Jung, jedweder Haushalt mit Kind und Kegel. Die Mehrzahl schwer beladen mit den Schätzen der Küche und des Kellers. Unter dem rauschenden Laubdach lagern sich die Schaaren, von Musikanten und Orgelspielern umschwärmt. Überall schöne, frische Gesichter und von Allen, die draußen sind, nicht Einer traurig. Alle die Tausende, vom Ersten bis zum Letzten, fast übermütig fröhlich, voll ungetrübter Heiterkeit. Es giebt nichts Wohltuenderes als diese zahllosen Gesichter, auf denen allen die Freude lacht. Denn der Lamboitag ist der Tag, an dem der Hanauer grundsätzlich alle Sorgen vergißt. Mit wahrhafter Virtuosität entschlägt er sich da eines jeden trüben Gedankens. Auch von Standesunterschied merkt man da keine Spur. Arm und Reich – sie lagern alle dicht beisammen. Die Jugend tanzt; die Alten trinken und schwatzen. Eine Art Communismus, in welchem alle Welt einander mittheilt, was sie nur immer hat, läßt diese gesamten Volksmassen wie eine einzige große Familie erscheinen. Als es Abend geworden, wimmelte der Wald von bunten Kerzen und die Nacht war schon weit vorgerückt, als wir noch immer nicht wenige waren, die noch gar nicht ans Heimgehen dachten.

Auch 2026 mag es bei einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm ein friedliches und fröhliches Fest in Vielfalt sein! Alle geschichtlich Interessierten werden sicher die Tafelausstellung mit Dioramen über die Ereignisse während des Dreißigjährigen Krieges in der Alten Johanneskirche besuchen. Und als besonderes Highlight ist am 9. Juni um 18:30 Uhr das artENSEMBLE Theater aus Bochum zu Gast, das in der Marienkirche „Simplicissimus“ aufführt, angelehnt an „Die Abenteuer des Simplicissimus Teutsch“ von Grimmelshausen. Der Barockautor hielt sich während der Blockade 1635 in der Festung Hanau auf und verarbeitete in seinem Werk viele autobiografische Eindrücke. Der Eintritt ist frei, herzlich Willkommen, feiern Sie mit!

Hier geht es zum Lamboyfest-Programm 2026.

Text: Martin Hoppe

 

Postkarte „Gruß vom Hanauer Lamboywaldfest“ von Wilhelm Schultz / Verlag Friedrich Wollenhaupt Hanau, um 1920

 

Postkarte „Gruß vom Hanauer Lamboywaldfest“ von Wilhelm Schultz / Verlag Friedrich Wollenhaupt Hanau, um 1920 (Privatbesitz)